Pressemitteilung vom 30. April 2011
Drei Schwerpunkte für die Energiewende - Diskussionsentwurf
sfv
  Drei Schwerpunkte für die Energiewende - Diskussionsentwurf Version 10


Drei Schwerpunkte für die Energiewende:

  • Solarenergie muss sich wieder lohnen
  • Windenergie von bürokratischen Fesseln befreien
  • Dezentrale Strom-Speicher statt Leitungsausbau zur besseren Nutzung eines beschleunigten Solarausbaus

  • Kein Atomstrom, keine fossilen Energien! Und wir setzen auf dezentrale Lösungen

Solarenergie-Förderverein Deutschland www.sfv.de - zentrale@sfv.de

Wir schlagen fachlich optimale Lösungen vor. Unsere Lösungsvorschläge erarbeiten wir ohne Rücksicht auf Partikularinteressen. Kompromisse überlassen wir der Politik.

 
 

Dezentrale Lösungen statt Großprojekte

Die Zeit drängt, Schnelligkeit und Katastrophensicherheit zählt!

Wir hoffen nicht auf Solaranlagen in Afrika (Desertec), Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee, Pumpspeicherkraftwerke in Norwegen sowie die dazugehörigen europaweiten Fernleitungen (Supergrid). Solche Großprojekte können nur von großen Energiekonzernen bewältigt werden. Doch die sind nicht an schneller Umsetzung interessiert, weil sie ihren eigenen Kraftwerken, Braunkohlegruben, Raffinerien, Tankstellen und Gasleitungen keine Konkurrenz machen wollen.
Wir brauchen Akteure, die nicht von den Großkonzernen abhängig sind, und die mit Erneuerbaren Energien und Stromspeichern rasch Geld verdienen wollen. Deshalb setzen wir auf kleine dezentrale Projekte: Die Errichtung von Hunderttausenden von Solar- und Windanlagen überall im Land und besonders in Verbrauchernähe. Und wir setzen auf dezentrale Stromspeicher direkt bei den Stromverbrauchern (derzeit noch eine revolutionäre Idee!).
Das Ergebnis wird ein robustes Energieversorgungssystem sein, dessen regionale Teile auch im Katastrophenfall unabhängig voneinander ihre Funktionsfähigkeit behalten.

 
 

Solarenergie wächst schneller als geplant - doch die Politik erkennt darin keinen Nutzen

((Skizze: strahlende Sonne links oben))

Schon jetzt - im Frühsommer 2011- erreicht die Solarenergie an vielen Tagen um die Mittagszeit für wenige Stunden Leistungen weit über 10 Gigawatt (mehr als 10 Atomkraftwerksblöcke). Bei Fortsetzung des bisherigen jährlichen Zubaus hätten es bereits im nächsten Jahr 20 GW und im übernächsten Jahr 40 GW sein können. Doch selbst Politiker, denen eine schnelle Energiewende am Herzen liegt, wissen nicht, was sie mit so viel stoßweise angebotener Leistung anfangen sollen. Sie haben deshalb einer Reduzierung der Einspeisevergütung zugestimmt.
Dies war ein tragischer Fehler, der möglichst rasch korrigiert werden muss. Im letzten Kapitel zeigen wir deshalb, dass die mittägliche Solarleistung dezentral in Tag-Nachtspeichern bei den Endverbrauchern gespeichert werden kann. Diese Idee wird den Fortgang der Energiewende wieder erheblich beschleunigen.


Die Solarstromvergütung als Gaspedal der Energiewende

Gegner und Befürworter der Solarenergie sind sich einig. Eine Erhöhung der Solarstromvergütung erhöht das Tempo des solaren Ausbaus. Die Absenkung der Einspeisevergütung verringert das Ausbautempo. Die Solarstromvergütung kann deshalb als Gaspedal der Energiewende bezeichnet werden.
Wenn man Vollgas gibt, nimmt das Ausbautempo zu, aber - keine Sorge - es wird nicht unendlich hoch. Denn wenn die passenden Dach- und Fassadenflächen knapp werden, geht das Ausbautempo von alleine zurück. Wenn dann die Solarleistung noch nicht ausreicht, kann man auch noch Freiflächen-Solaranlagen bauen.

Die Einführung neuer Techniken verläuft sehr häufig in der Form einer sogenannten "logistischen Wachstumsfunktion". So hätte es auch bei der Solarenergie gehen können, wenn man die ursprüngliche Regelung mit einer einmaligen jährlichen Absenkung von 5 Prozent beibehalten hätte. Diese Regelung gab Investitionssicherheit. Jedes Jahr wurden mehr Solaranlagen gebaut als im Vorjahr. Die Gewinne der Branche stiegen und wurden in neue, verbesserte Produktionsanlagen investiert.


Doch die Stromwirtschaft setzte eine stärkere Absenkung der Solarstromvergütung durch. Von Januar 2009 bis Januar 2011 wurde die Solarstromvergütung 8 mal - insgesamt um etwa 40 Prozent - gesenkt. Die Planungs- und Investitionssicherheit ging verloren. Das Wachstum geriet ins Stottern.

Notwendig ist deshalb eine Rückkehr zur profitablen Einspeisevergütung des Jahres 2008 und die Rücknahme aller außerplanmäßigen zusätzlichen Vergütungsabsenkungen. Eine einmalige jährliche Absenkung (Degression) um 5 Prozent zum 15. Dezember reicht aus. Das Datum 15. Dezember befreit die Installateure vom Jahres-Endspurt zwischen Weihnachten und Neujahr.

Die Tatsache, dass bei einer solchen Vergütungsregelung gute Gewinne erzielt werden können, ist ethisch nicht anstößig. Ohne Gewinnaussicht gibt es keine wirtschaftlichen Umwälzungen. Entscheidend ist, dass die Energiewende so schnell wie möglich vorankommt, bevor der nächste Atomunfall Millionen unglücklich macht und der Klimawandel unbeherrschbar wird.

Die Aussage, man dürfe den Stromkunden eine Erhöhung der Strompreise nicht zumuten, ist unter "Heuchelei" einzuordnen, denn sie wird zumeist von der Stromwirtschaft getätigt, die sich gerade in den vergangenen Jahren durch saftige Preiserhöhungen bereichert hat. Außerdem, die Opfer von Fukushima wären - nachträglich betrachtet - zu jedem finanziellen Opfer bereit gewesen, das ihnen die Atomkatastrophe erspart hätte.


Bürokratische Hindernisse für die Windenergie beseitigen

Gebietskörperschaft, also Gemeinden und Kreise, können mit einem bürokratischen Trick den Bau von Windanlagen im gesamten Planungsgebiet verhindern, wenn sie eine sogenannte "Windkonzentrationszone" - auch "Windvorrangsgebiet" genannt - einrichten. Auf allen übrigen Flächen im sogenannten "Außenbereich" dürfen dann automatisch keine Windanlagen mehr errichtet werden.

Eigentümer von windgünstigen landwirtschaftlichen oder forstwirtschaftlichen Flächen, die weit genug von Naturschutzgebieten und menschlichen Behausungen entfernt liegen, erhalten dann - obwohl ein Windrad auf ihrem eigenen Grund und Boden niemanden ernsthaft stören würde, keine Baugenehmigung.

Besonders in den südlichen Bundesländern und in Hessen haben die Landesregierungen die Gebietskörperschaften ausdrücklich aufgefordert, diese unsinnige Bestimmung ausgiebig zu nutzen.

Die Genehmigung von Windanlagenbauten wird im Bundesbaugesetzbuch unter § 35 geregelt.

Windanlagen im Außenbereich sind nach § 35 eigentlich privilegiert, ähnlich wie Feldscheunen oder andere Bauten der Landwirtschaft. Ein Bauantrag darf also nur bei schwerwiegenden Gründen abgelehnt werden. Im Amtsdeutsch z.B.: "wenn öffentliche Belange der Errichtung einer Windanlage entgegenstehen. Das klingt zunächst einleuchtend.

Doch dann kommt die erwähnte unsinnige Bestimmung. Sie findet sich unter § 35 (3) letzter Satz und lautet:

„Öffentliche Belange stehen der Errichtung von Windanlagen in der Regel auch dann entgegen, soweit die Ausweisung eines Gebietes für Windanlagen an anderer Stelle erfolgt ist."

Diese Bestimmung ist der Angelpunkt, um den sich der weitere Ausbau der Windenergie dreht.

Diese Bestimmung vermindert den Wert aller windgünstigen landwirtschaftlichen Flächen, die von Naturschutzgebieten und menschlichen Behausungen mehr als 500 Meter entfernt liegen, weil sie den Eigentümern das Recht nimmt, ihr eigenes Land mit Windanlagen selbst zu nutzen oder an Windanlagenbetreiber zu verpachten.

Der SFV geht davon aus, dass der Deutsche Bauernverband die damit verbundene Wertminderung des Landes seiner Mitglieder nicht mehr lange hinnehmen wird.

Der genannte Satz hat in einem modernen Baugesetzbuch nichts mehr zu suchen.

 
 

Dezentrale Stromspeicher für den Solarstrom

Das Problem

•Bei voller Belegung der Dachflächen eines Straßenzuges mit Solarmodulen und bei mittäglichem Sonnenschein liefern die Solarstromanlagen oft erheblich mehr Energie als in diesem Straßenzug (elektrotechnisch ausgedrückt: in diesem Zweig des "Niederspannungsnetzes") verbraucht werden kann. Bisher floss dann der überschüssige Solarstrom vom Niederspannungsnetz in das Mittel- oder sogar bis in das Hochspannungsnetz (sozusagen in "verkehrter" Richtung) ab und wurde irgendwo in anderen Netzzweigen verbraucht, in denen noch nicht so viele Solaranlagen installiert waren.
•Wenn eine Weiterleitung in die nächst höhere Spannungsebene nicht möglich ist, weil das Niederspannungsnetz die übergroße Menge an Solarstrom nicht mehr abtransportieren kann, schalten sich die einspeisenden Solaranlagen automatisch ab. Der Solarstrom entsteht dann erst gar nicht mehr. Ein bedauerlicher Verlust! Um diese Verluste zu vermeiden, wird vielfach ein weiterer Netzausbau (z.B. durch Erhöhung der Kabelquerschnitte oder durch zusätzliche Leitungen) gefordert. Dahinter steckt der Gedanke, man könnte den Solarstrom dann aus dem südlich gelegenen sonnigen Bayern in das trübe Norddeutschland abtransportieren.
•Netzausbau mag in einigen Sonderfällen sinnvoll sein, aber ist nicht die Lösung des Problems. Denn auch in Norddeutschland scheint die Sonne und auch dort werden bereits Solaranlagen errichtet. Die Weiterleitung des Solarstroms nach Norden ist also nicht die richtige Lösung. (Umgekehrt ist auch die Weiterleitung von Windstrom aus dem Norden in den Süden nicht notwendig, weil man Windanlagen auch in Süddeutschland bauen und betreiben kann.) Wenn man die Solar- (und Wind-) Überschüsse sinnvoll nutzen will, muss eine andere Lösung her!

Dezentrale Stromspeicher im Verteilnetz

Die Lösung besteht in der Installation einer großen Zahl stationärer Stromspeicheranlagen in derjenigen Netzebene, in der der Solarüberschuss entsteht. Diese Speicher sollen ausdrücklich nicht bei den Solaranlagenbetreibern, sondern bei den StromVERBRAUCHERN installiert werden und den Überschuss von Samstagen und Sonntagen aufnehmen können. Die Versorgung dieser Verbraucher kann dann in der sonnenscheinlosen Zeit mit Solarstrom aus ihren eigenen Speichern erfolgen.

Die Befüllung von Stromspeichern ist schon seit 2008 vorübergehend nach § 118 EnWG Abs. 7 von der Zahlung der Netzgebühr befreit. Außerdem ist die Entnahme von Strom aus kleinen Stromspeichern von der Stromsteuer befreit, doch diese finanziellen Anreize (zusammen etwa 8 Cent/kWh) reichen zum wirtschaftlichen Betrieb eines Stromspeichers noch nicht aus. Es müssen deshalb zusätzliche Anreize gegeben werden:


Notwendiger Anreiz zur Anschaffung und zum Betrieb der Stromspeicher - ((Dazu nur vorläufige Überlegungen: Der SFV bittet diesbezüglich um weitere Anregungen))

Die dazugehörigen gesetzlichen Regelungen gehören nicht in das EEG, sondern das Energiewirtschaftsgesetz, denn sie sollen für Stromverbraucher und Solarstromeinspeiser gleichermaßen gelten.

Der Verteilnetzbetreiber wird verpflichtet, dem Stromspeicherer einen Speicherbeitrag zu zahlen für Strom, der zu Niedertarifzeiten aus dem Netz entnommen wird.

Es soll zwei Arten von Niedertarifzeiten geben:


•Niedertarifzeitennetzbetr, die vom Netzbetreiber nach dessen Entscheidung festgelegt werden. Sie müssen mindestens 4 Stunden täglich betragen. Beginn und Ende dieser Niedertarifzeiten sind durch ein Fernwirksignal anzuzeigen.
•Zusätzlich gibt es Niedertarifzeitensolarüberschuss, die sich automatisch aus der Solareinspeisung ins Niederspannungsnetz ergeben und auf die der Netzbetreiber keinen Einfluss nehmen darf.
((Hier sucht der SFV noch nach einem Messverfahren, welches erkennt, dass die Solaranlagen ohne die Stromentnahme durch die Speicher abschalten würden.)) Solange die Solaranlagen ohne Stromentnahme durch die Speicher automatisch abgeschaltet werden würden, darf aus diesem Netzzweig Strom entnommen werden, zu dem der Netzbetreiber ebenfalls einen "Speicherbeitrag" zahlen muss.

Der vom Netzbetreiber zu zahlende Speicherbeitrag beträgt in beiden Fällen 20 Cent/kWh.

 
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