Freilassinger Anzeiger vom 13. Februar 2008
Neues Freibad-Motto "Action" statt Schwimmen - Brensntoffe zum Heizen sind tabu
Planungsgemeinschaft stellt viele Ideen vor - Bad würde aber teurer als geplant
 
Bürgermeister Josef Flatscher (links) ließ sich die Ideen für das neue Freibad schon vor der Präsentation genau erklären, im Bild die Architekten und Ingenieure (von rechts): Eva Amon, Hans Romstätter und Johann Wach. Foto: Hudelist
FREILASSING (hud) - Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt draußen wurden am Montagabend im Rathaussaal drinnen hochsommerliche Fragen diskutiert, zum Beispiel wie warm eigentlich das Wasser eines Freibades sein muss, ob die Besucher wirklich nur bei absolut schönem Wetter kommen oder ob entsprechend viel „Action" sie auch bei trübem Wetter anziehen würde. Die neue Planungsgemeinschaft stellte sehr ausführlich ihre Ideen vor. Die wichtigsten Eckpunkte: Das neue Schwimmerbecken soll nur mehr vier Bahnen haben, umso aufwendiger wird der Nichtschwimmerbereich mit vielen Attraktionen. Für den kleinen Hunger zwischendurch soll es nur mehr einen zentralen Kiosk geben.

Johann Wach stellte die verschiedenen Möglichkeiten vor, das Wasser zu erwärmen. Dabei ging er von einer Temperatur von 22 Grad aus, zu wenig, wie sich in der späteren Diskussion zeigen sollte (wir werden gesondert berichten). Von insgesamt zwölf untersuchten Alternativen sei dabei die reine Solarenergie am günstigsten und sinnvollsten, so Wach. „Das Verbrennen von fossilen Brennstoffen für das Heizen von Schwimmbecken ist heutzutage einfach tabu", stellte der Freibad-Ingenieur fest.

Mit dem vom Stadtrat vorgegebenen Budget von vier Millionen Euro lassen sich allerdings nur die wichtigsten Attraktionen finanzieren, eine Fragerunde der Heimatzeitung bei den Parteien nach der Präsentation ließ eindeutig, einen Trend erkennen: „Es darf schon ein bisschen mehr sein." Michael Hangl von der SPD meinte etwa, das ihm vier Bahnen im Schwimmerbecken einfach zu wenig sind, „also sechs müssen es mindestens sein. Auch die 365.000 Euro mehr für ein noch attraktiveres Nichtschimmerbecken sollten wir in die Hand nehmen." Er rechnet mit Gesamt-kosten von 4,8 bis 5 Millionen Euro.

Auch Fritz Braun von den Freien Wählern rechnet mit einem höheren Budget, „schließlich soll das neue Freibad dann wieder die nächsten 30 Jahre attraktiv sein. Also ich rechne mit 4,5 Millionen Euro."

Einzig Dieter Moosleitner von der CSU gab sich nach der Sitzung zugeknöpft. „Man merkt, dass Wahlkampf ist", meinte er trocken, „da fordert jeder gleich noch mehr ohne zu sagen, wie wir das finanzieren sollen." Er sei zwar nicht unbedingt für die Vier-Millionen-Variante, aber wenn man mehr wolle, dann müsse man eben sagen, wo das Geld an anderer Stelle eingespart wird.




Nach den Ideen der Planer sollte das neue Nichtschwimmerbecken wegen des Schattens weiter weg vom Wald sein und zahlreiche Attraktionen bieten. Mit geplanten 750 Quadratmetern Wasserfläche wäre es auch deutlich größer als das Schwimmerbecken.
 
 

In der öffentlichen Stadtratssitzung im fast vollen Rathaussaal erinnerte Bürgermeister Josef Flatscher daran, dass die Stadt aus Kostengründen eigentlich ein Naturbad bauen wollte, dies aber von einer Mehrheit im Bürger-entscheid abgelehnt wurde. Seither sind zehn Monate vergangen, jetzt wurden die neuen Pläne für eine Sanierung des fast 40 altten Freibades erstmals öffentlich vorgestellt.

"Wir liefern ihnen heute keinen fertigen Plan, sondern eine Art Ideenlandschaft", so begann Architekt Hans Romstätter seine Ausführungen. Schon in den ersten Minuten beim Aufzählen der bisherigen Anlagen wurde wo die Reise hingehen wird. „Es wird zum Beispiel keine Durchschreite-Becken mehr geben und keine Zäune mehr rund um die Becken, die Hygiene besorgt heute die Technik viel besser." Auch das Trampolin im Eingangsbereich missfiel dem Planer, „das hat eher Jesolo-Charakter und passt nicht zu uns." Großes Augenmerk legten die Planer auf den Kleinkinderbereich, wie stark, sollte sich im Laufe des Abends noch zeigen.

Mehrmals wies Romstätter darauf hin, dass es im günstigsten Fall nur 120 Badetage pro Jahr gebe, im letzten Jahr seien es nur 40 Tage gewesen. „Ist das genug für eine Gaststätte und einen Kiosk?", fragte er die Besucher. Dann gab der Chefplaner auch gleich das Motto für das neue Schwimmbad aus. „Zwei Drittel der Besucher sind Nichtschwimmer, wir müssen in Zukunft also mehr Action bieten, mehr Attraktionen statt Schwimmbahnen."

Den katastrophalen Zustand der Restaurants im ersten Stock des Haupthauses und im Kiosk schilderte Gastronomieplaner Gerhard Leicher.

Das Dach sei undicht, in der Küche gebe es feuchte Wände und überhaupt entsprächen die Einrichtungen nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen. Seiner Meinung nach reicht ein Kiosk, der neu gestaltet von allen Seiten gut einsehbar sein soll.

Romstätter machte keinen Hehl daraus, dass ihm der Kleinkinderbereich besonders am Herzen liegt. „Hier haben wir eine sinnvolle Wasserfläche von 750 Quadratmetern errechnet, die wir entsprechend aufpeppen werden." Bilder von Schaukelbecken, Wasserpilzen und Kletterseilen über der Wasserfläche hätten die Herzen von Kindern garantiert höher schlagen lassen, wenn sie bei der Veranstaltung dabei gewesen wären. Zudem soll das neue Nichtschwimmer-becken nicht wie ein Rechteck aussehen, sondern eher inselartig. Romstätter könnte sich einen Strömungskanal vorstellen sowie einen strandartigen, flachen Zugang in das Becken.

Im Vergleich dazu kommt der Vorschlag für das neue Schwimmerbecken mit gerade einmal vier Bahnen bescheiden daher. 500 Quadratmeter sind laut den Planern ausreichend, weil eben die meisten Besucher laut Statistik ohnehin nicht zum Schwimmen kommen. Und: jede weitere Bahn würde rund 100.000 Euro kosten. Besonders, tief in die Tasche greifen müsste die Stadt, wenn sie auch eine gewünschte Sprunganlage bestellen würde. „Für so einen Sprungturm mit eigenem Becken legen Sie 400.000 Euro auf den Tisch."

 

zurueck
Umwelt-Webdesign-21, Nachrichten aus Agenda21 Umwelt Natur Energie Solar und Klima
Web: http://www.umwelt-webdesign.de  |  eMail  |  Impressum  |  designed by Primaweb  |   © 1994-2008  |  2008/02/25