Freilassinger Anzeiger vom 5. März 2008
Heftiger Streit um Wassertemperatur
Mehrheit im Agenda-Arbeitskreis „Energie" will keine garantierten 22 Grad
 

FREILASSING (hud) - Mit einem zehn Punkte-Programm gingen die neuen Vorsitzenden des Agenda-Arbeitskreises „Energie" am Donnerstagabend in die Sitzung (wir berichteten). Kernaussage des Papiers: Für einige wenige Sportler könnten nicht zwei beheizte Bäder angeboten werden, wem 22 Grad zu wenig seien, der könne ins Badylon ausweichen, das elf Monate im Jahr geöffnet sei. „Freilassing muss wirtschaftlich denken, und da können wir nicht für eine Handvoll Dauer-schwimmer so viel Geld in die Hand nehmen", sagte Wolfgang Wagner. Die Mehrheit der Mitglieder stimmte den „Komforteinbußen" zu, selbst eine bisher von den Planern genannte Stütztemperatur von 22 Grad Wassertemperatur wollten sie nicht garantieren.

13 Mitglieder des Arbeitskreises „Energie" unter dem neuen Vorsitzenden Wolfgang Wagner und einem nach wie vor sehr aktiven Ex-Vorsitzenden Hermann Schubotz stritten heftig um die Frage, wie das Wasser im Freibad künftig geheizt werden soll. Einig war man sich, dass es keine fossilen Brennstoffe sein sollen, aber auch sogenannten alternativen Energien wie Bio-Öl oder Holz-Pellets erteilten sie eine Absage.

„Max Aicher kann sein Blockheizkraftwerk woanders bauen, das haben wir ihm auch so deutlich schon gesagt", sprach Wagner deutliche Worte. Vielmehr wolle man ein wechsel-warmes Bad anbieten, das nur mit Sonnenenergie beheizt wird. Wechselwarm heißt dann, dass das Wasser in einer Schlechtwetterperiode entsprechend abkühlt und das Wasser erst nach zwei, drei Sonnentagen wieder 22 Grad erreicht. „Wem das Wasser bei Schlechtwetter zu kalt ist, der muss eben ins Badylon gehen", meinte Wagner.

Auf verlorenem Posten standen bei den neuen Mehrheits-verhältnissen Hermann Schubotz und Elektromeister Kurt Gruber. Sie erinnerten an den Bürgerentscheid, in dem sich die Mehrheit klar für ein warmes Wasser ab 24 Grad ausgesprochen hätte.


Vier Bahnen sind nach Ansicht der Planer ausreichend, doch auch die Mitglieder des Agenda-Arbeitskreises „Energie" wollen mehr. In ihrer Empfehlung an den Stadtrat sind jetzt fünf bis sechs Bahnen enthalten. Foto: Hudelist
 
 

Wagner meinte allerdings, ein Arbeitskreis sei nicht an einen Bürgerentscheid gebunden, sondern solle eine eigenständige Empfehlung an den Stadtrat abgeben. Ullrich Zeeb als Vertreter der Stadt stellte fest, dass im Bürgerentscheid nicht von einer Temperatur die Rede gewesen sei.

Ein Teilnehmer des Arbeitskreises bezeichnete es sogar als dekadent, im Zeitalter des Klimawandels für warmes Badewasser im Sommer Brennstoffe „in die Luft zu jagen". Bei dieser strikten Auslegung meinte ein weiterer Teilnehmer, müsse man ja sogar fragen, ob man nicht doch wieder ein Naturbad wolle. Wagner vertrat mehrmals seine Meinung, dass es unsozial sei, dass eine Mehrheit der Freilassinger für das ständige Heizen eines Freibades zahlen müsste, das bei Schlechtwetter eben nur wenige besuchen.

„Die Statistik und die Planer sagen uns ganz klar, dass Badegäste nur bei Schönwetter kommen, und dann ist das Wasser mit den Solarabsorbern genug aufgeheizt." Schubotz hingegen sah den sozialen Aspekt wichtiger als den wirtschaftlichen. „Das Freibad ist ein sozialer Treffpunkt für ältere Damen, die sich bei jedem Wetter zum Schwimmen treffen wollen."

Die Mehrheit stimmte allerdings dem Vorschlag „wechsel-warmes Bad" zu, auch die garantierten 22 Grad wurden ersatzlos gestrichen, da sonst eine Zusatzheizung nötig wäre.

Auch bei der Frage, wie groß das neue Schwimmerbecken sein soll, schloss sich die Mehrheit der Agenda-Mitglieder zuerst den Vorstellungen der Planer an. „Vier Bahnen reichen aus, mehr können wir mit den geplanten 40 Quadratmetern Sonnenkollektoren nicht erwärmen, da müssten wir schon den Parkplatz überdachen, um Platz für die Sonnenabsorber zu bekommen." In einer Abstimmung waren dann aber doch sieben Mitglieder für fünf statt nur vier Bahnen, sechs Mitglieder waren für sechs Bahnen.

Einige vorbereitete Punkte wie „Komfort-einbußen sind in Kauf zu nehmen" wurden wieder gestrichen, generell wollte man dem Stadtrat aber die Empfehlung geben, eine Entscheidung zu treffen, die weitsichtig sei und nicht den Kindern einen Schuldenberg hinterlasse. Trotz Umbau solle das Freibad in Brodhausen außerdem bei seinem moderaten Eintrittspreis bleiben.

 

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