Freilassinger Anzeiger vom 30. April 2007
Das Freibad bekommt einen Gasanschluss
Stadtrat beschließt Zusatzheizung für Beckenwasser und Duschen
  FREILASSING (st) - Im Wesentlichen mit Solarabsorbern sollen die Becken und Duschen künftig im Freibad beheizt werden. Aber auch bei längeren Schlechtwetterperioden werden die Besucher nicht bei 18 Grad Wassertemperatur bibbern müssen. Der Stadtrat beschloss in seiner Sitzung Montag-abend, eine Zusatzheizung einzubauen und entschied sich für Gas. Hackschnitzel, wie mehrfach gefordert, erschien der Mehrheit zu aufwendig. Mit der Zusatzheizung besteht zumindest, theoretisch die Möglichkeit, das Wasser auf eine Mindesttemperatur von 24 Grad aufzuheizen, wie es die Betreiber des Bürgerbegehrens verlangen. Gesprochen wurde darüber aber nicht.

Fritz Braun (FWG-Heimatliste) hat sich bei Schwimmbädern mit Solarheizungen umgehört und festgestellt, dass alle zuheizen müssen. „Mit Absorbern allein geht es nicht" stellte er fest. Er wollte wissen, ob der Einsatz einer Elektrowärmepumpe möglich wäre, die den benötigten Strom über Fotovoltaikanlagen erhält. Überschüsse könnte man dann noch ins Netz einspeisen und eine Vergütung kassieren.

Fachplaner Johann Wach erwiderte, ein Elektroheizung wäre jederzeit machbar, für Fotovoltaik fehlten aber die Flächen. Alle vorhandenen Flächen seien bereits von den Solarabsorbern belegt.

Von einem „ökologischen Wahnsinn' sprach Ernst Wohlschlager (Grüne/Bürgerliste) angesichts des Umstands, dass ja mit dem Badylon ein beheiztes Bad zur Verfügung steht. Freilassing könne nicht bei schlechten Wetter zwei Bäder heizen. Schließlich habe man ja vom Planer gehört, dass sich mit den Solarabsorbern das Nichtschwimmerbecken schon am zweiten schönen Tag auf 26 Grad aufgeheizt hat und das Schwimmerbecken auf 22 Grad. Man sollte es einmal ein Jahr allein mit den Absorbern probieren und dann weitersehen.

Max Standl (CSU) plädierte dafür, jetzt die Heizung zu beschließen und nicht ein Jahr später mit höheren Investitionen wieder anzufangen. Grundsätzlich meinte der Weberbauer, er sei auch für Hackschnitzel, dort draußen passe dies aber nicht.

Klaus Lastovka (CSU) machte deutlich dass man sich an den Bürgerentscheid halten muss, in dem es heißt, das Freibad sei in seine bisherigen Form zu erhalten. Deshalb müsse man zuheizen. Gas sei sehr flexibel einsetzbar und schnell wieder zuzudrehen.
Mit 16:7 Stimmen beschloss der Stadtrat schließlich die Zusatzheizung mit Gas.

 
 

Das Freilassinger Freibad öffnet am morgigen 1. Mai seine Pforten für die letzte Saison in der gewohnten Gestalt. Im September werden dann die Baumaschinen anrollen und dem Freibad ein neues Gesicht geben. Das Sportbecken wird dann nur mehr fünf 50-Meter-Bahnen haben, dafür wird der Nicht-schwimmerbereich größer und attraktiver. Auf sämtliche verfügbaren Flächen kommen leistungsstarke Solarabsorber, die umwelt-freundlich die Wärme der Sonne einfangen und gebündelt an das Wasser abgeben.

Was aber ist, wenn tagelang keine Sonne scheint und damit auch die Wärme ausbleibt? Dann kann der Bademeister künftig den Gashahn aufdrehen. Mit der Entscheidung dafür folgte der Stadtrat einer Empfehlung des Planers Johann Wach. Er hatte 13 Varianten für eine Zusatzheizung untersucht, darunter eine Elektro-Wärmepumpe und auch ein Hackschnitzel-Heizwerk. Von den Baukosten her liegen die in Frage kommenden Möglichkeiten nicht weit auseinander, erläuterte der Fachplaner nun im Stadtrat. Eine Gasheizung sei aber am flexibelsten und am leichtesten zu bedienen.

Er würde auch ein Hackschnitzelwerk gerne planen, meinte er, riet aber davon ab. Es wäre personalaufwendig und könnte nur auf maximal ein Viertel Leistung heruntergeregelt werden, auch wenn der Bedarf für die Zusatzheizung gar nicht so groß ist.

Beim Gas hingegen müsse man einfach auf- oder zudrehen. Für rund 45.000 Euro bekäme man die Leitung bis zum Freibad. Der Anschluss an die Erdgasleitung würde etwa beim Gasthof Moosleitner erfolgen. Die Gaslösung wäre auch sehr komfortabel beim Duschwasser.

Die CSU-Meinung tat Fraktionssprecher Dieter Moosleitner in aller Kürze kund: „Wir sollten uns die Zusatzheizung leisten, Gas ist die vernünftigste Lösung." Das sahen vor allem aus ökologischen Gründen nicht alle seine Stadtratskollegen so. Frank Grünberg (SPD) überlegte laut, ob nicht vorläufig noch die bestehende Ölheizung in der Übergangszeit und bei Schlechtwetter-perioden eingesetzt werden könnte, um erst mal zu sehen, wie sich die Solarabsorber bewähren. Die gesammelten Erfahrungen würden dann zeigen, ob man noch eine Zusatzheizung braucht.

Technisch wäre dies schon möglich, erklärte technischer Werkleiter Johann Standl, auch zuständig fürs Freibad. Allerdings laufe der Kessel jetzt seit 1971 und sei längst nicht mehr auf dem technisch erforderlichen Stand. Nur im Hinblick auf die bevorstehende Sanierung habe man in den letzten Jahren eine Fristverlängerung für den Betrieb bekommen. Man sollte es mal ein Jahr probieren, meinte SPD-Sprecher Michael Hangl. Im Übrigen wären Hackschnitzel auf Dauer günstiger als Erdgas. Sein Fraktionskollege Helmut Fürle erinnerte an den Kreistagsbeschluss, bis 2030 energieautark sein zu wollen. „Jetzt setzen wir schon wieder auf Gas. Das unterminiert unser zukünftiges Energiekonzept."


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