Freilassinger Anzeiger vom 24. September 2008
Halbe Million Euro mehr fließt in das Freibad
Weiterer Griff in den Stadtsäckel nötig

Nach Watschen für die Planer schlucken die Stadträte mehrheitlich die Kröte
  Freibad Freilassing, leeres Kinderbecken
Das Wasser im Nichtschwimmerbecken ist bereits abgelassen, aber so richtig beginnen sollen die Arbeiten jetzt diese Woche. Foto: Schlosser
FREILASSING (st) - Es war eine schwierige Aufgabe, der sich die Freibad-Planer Hans Romstatter und Johann Wach in der Sitzung des Stadtrates Montagabend stellten. Sie mussten dem Gremium plausibel machen, dass die Sanierung gut eine halbe Million Euro mehr verschlingt als in der Kostenschätzung dargelegt. Das ist das Ergebnis der nun vorliegenden Detailplanung beziehungsweise der Ausschreibung, die nach Angaben der Planer jetzt zu 82 Prozent abgeschlossen ist. Um nicht auf wesentliche Attraktionen verzichten zu müssen, schluckten die Stadträte letztlich mehrheitlich die Kröte, nicht ohne die für den Bad- und Technikbereich zuständigen Architekten vorher kräftig abgewatscht zu haben. Diese verteidigten sich mit dem Hinweis, dass eine Kostenschätzung aufgrund einer Grobplanung niemals verbindlich sein könne und Schwankungen um bis zu 30 Prozent vorkommen könnten. In diesem Fall ergibt sich nun eine Kostenmehrung von rund zwölf Prozent. Im Rahmen der Ausschreibung hatte die Firma Max Aicher ein Alternativangebot mit einem Pauschalbetrag als Generalunternehmer vorgelegt. Es darf aber nach Angaben der Verwaltung aufgrund der Vergaberichtlinien des Baurechts (VOB) bei den Vergaben der Einzeigewerke nicht berücksichtigt werden.

„Nur Schimpfen bringt' uns nicht weiter", erklärte FWG-Sprecher Fritz Braun. Vielmehr sollte man sich Gedanken machen, was nun zu tun ist. „Was würde wohl der Bürger sagen, wenn wir jetzt den Vertrag kündigen und die Planer auszahlen?" Die vorliegende Planung sei toll und modern und entspreche den neuesten Gesichtspunkten des Bäderangebots.

Das Nebenangebot (Aicher) hätte dagegen eine reine Renovierung des Bestands bedeutet. In der Detailplanung habe sich nun eben eine Kostensteigerung von zwölf Prozent ergeben. Deshalb den Planem gleich das Vertrauen zu entziehen, erschien Braun nicht gerechtfertigt.

Architekt Hans Romstätter nahm die Kritik zur Kenntnis und räumte ein, vielleicht nicht deutlich genug gemacht zu haben, dass es sich bei den einzelnen Kostenbausteinen um Schätzungen gehandelt habe. „Wir sind kein General-untemehmen, das für einen Festpreis arbeitet, sondern auf den Markt angewiesen." Man habe beispielsweise gehofft, einen besseren Preis für die Alu-Becken zu erhalten, doch sei dies leider nicht der Fall gewesen.

Der für die Badetechnik zuständige Planer Johann Wach ergänzte, eine Abweichung um zwölf Prozent sei nichts Ungewöhnliches. Die Angebote im Rahmen der Ausschreibung lägen um bis zu 25 Prozent auseinander. Eingangs hatte Bürgermeister Josef Flatscher erklärt, die Kostengrenze von 4,7 Millionen Euro habe man bewusst als Herausforderung für die Planer gesehen. Vielleicht sei aber nicht genug dargestellt worden, dass geschätzte Kosten Schwankungen unterliegen können. „Wir stehen für ein gutes Bad ein, mit dem sich die Besucher identifizieren können, in dem sie sich wohlfühlen. Wir wollen ein zukunftsfähiges, attraktives Bad mit modernster Technik zur Verfügung stellen."

Mit 15:8 Stimmen segneten die Stadträte letztlich die Kostensteigerung ab. Damit schlägt die Sanierung des Freibads nun mit 5.256.000 Euro zu Buche, wobei noch kleinere Schwankungen aufgrund der noch ausstehenden Ausschreibungen möglich sind.
Mit diesem Ja des Stadtrats können nun die Bauarbeiten richtig beginnen. „Wir sind im Zeitplan", erklärte Hans Romstätter und hofft auf einen milden Winter. Dann kann das Bad pünktlich zur neuen Saison im Frühjahr eröffnet werden.

 
 

Vier Millionen Euro wollte die Stadt ursprünglich für die Sanierung beziehungsweise den teilweisen Neubau des Freibads ausgeben. Später haben die Stadträte dann nach hitzigen Debatten noch einmal rund 700.000 Euro drauf gesattelt für zusätzliche Attraktionen und einen vergrößerten Nichtschwimmerbereich. Mit diesen insgesamt 4,7 Millionen Euro schien den Ratsmitgliedern das Ende der Fahnenstange erreicht. Umso mehr stieß der Umstand auf Unverständnis, dass sie nun noch einmal 556.000 Euro locker machen sollten.

Es ginge auch im vorgegebenen Kostenrahmen, ohne bei der Qualität der technischen Einbauten Einbußen hinnehmen zu müssen. Dann müsste man aber auf verschiedene Attraktionen und ökologisch sinnvolle Maßnahme verzichten wie etwa die 132.000 Euro teure Breitrutsche oder Sonnenkollektoren für warmes Duschwasser.

„Sie sagten, mit 4,7 Millionen Euro bauen Sie uns ein schönes Bad", wandte sich CSU-Sprecher Klaus Lastovka an die Planer. „Das war für uns ein Festpreis. Nun fühlen wir uns aufs Eis geführt, denn so hätten wir dieses Bad wohl nicht beschlossen", mäkelte er.

In dieselbe Kerbe hieb sein SPD-Kollege Frank Grünberg. „Wir haben um 700.000 Euro zusätzliche Attraktionen gekauft. Wenn wir die jetzt um 500.000 Euro abspecken, bleibt nicht mehr viel übrig", sagte er und legte nach: „Auch die vier Millionen Euro für die Grundsanierung hätten niemals gelangt. Das war völlig falsch geplant." Nicht viel anders sah dies Bernhard Schmähl (Grüne/Bürgerliste): „Für mich ist das Vertrauen in die Planung, was die Kostenkalkulation betrifft, weg." Er glaubte auch nicht, dass dies schon das Ende der Fahnenstange ist. „Jetzt ist ein Punkt erreicht, wo ein Ende mit Schrecken besser ist als ein Schrecken ohne Ende", stellte er die Möglichkeit der Kündigung des Vertrags in den Raum.

 

zurueck
Umwelt-Webdesign-21, Nachrichten aus Agenda21 Umwelt Natur Energie Solar und Klima
Web: http://www.umwelt-webdesign.info  |  eMail  |  Impressum  |  designed by Primaweb  |   © 1994-2008  |  2008/09/25