Freilassinger Anzeiger vom 27. September 2008
Verpasste Chance in Freilassing
Leserbrief von Hermann Schubotz
  Leserbrief: zum Artikel: Halbe Million mehr fliest in das Freibad vom 24.9.2008

Hat die Stadt Freilassing wirklich die Spendierhosen an ?

Beinahe jede Partei propagiert im Wahlkampf die aktive Bürgerbeteiligung. In Freilassing ist davon leider wenig zu spüren. Zuerst planen und beschliessen Verwaltung und Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung ein „naturbad“, das von den Bürgern in einem Bürgerentscheid mit 81% strikt abgelehnt wird, die Bürger wollten ein saniertes und modernisiertes konventionelles Bad. Dann befragt der Bürgerarbeitskreis Freibad-Freilassing über 920 Badegäste um ihre speziellen Wünsche und Anregungen zur Badsanierung. Die Planer schlagen jedoch ein auf vier Bahnen reduziertes Bad mit stark erweiterten und teueren Kinder Attraktionen vor, die in diesem Ausmaß so gar nicht von den Bürgern gewünscht wurden.

Aus Kostengründen wurde die bisherigen acht Schwimmbahnen auf fünf reduziert. Mit allen Attraktionen sollte es nun 4,7 Millionen kosten, Geld für eine 6.Bahn war man nicht Willens auszugeben.
Vor drei Monaten sollte das Technik Gebäude um 70.000 erweitert werden, am Montag hören wir in der Stadtratssitzung, das sei nun nicht mehr notwendig, aber das ganze Bad koste nun 560.000 mehr, es sein denn, der Stadtrat stimmt einer schmerzlichen Streichliste zu.

Was wird das Bad dann wirklich kosten?
Ein Angebot eines ortsansässigen Unternehmers zur Sanierung des Bades um 500.000 Euro weniger wird nicht genügend dargestellt, diskutiert und gewürdigt, jedenfalls wurde es in der Stadtratssitzung nur in einem Halbsatz erwähnt.

Wir Bürger erfahren keine Details. Hat die Stadt wirklich die Spendierhosen an, wie es einer der Planer wünschte ? Fehlt uns dann die eine Million Euro Differenz woanders, bei der Straßensanierung, Kindertagesplätzen, Energiesparmassnahmen, etc. ? Bei diesen gravierenden Mehrkosten einerseits und einer evtl. günstigen Lösung andererseits sollten doch mehr die Steuerzahler gefragt werden, denn das Steuersäckl wird von uns Bürgern gefüttert.

Leider klaffen auch hier wieder Wort und Tat, Anspruch und Wirklichkeit meilenweit auseinander. Denn Demokratie lebt nicht nur davon, dass wir alle sechs Jahre mit einem Kreuzl wählen dürfen, sonder auch davon, dass wir uns aktiv an der aktuellen Politik beteiligen können. In Freilassing leider wieder ein verpaßte Chance.

Hermann Schubotz, Freilassing