Südostbayerische Rundschau vom 12. April 2008
150 Freilassinger Bürger schreiben an den Bürgermeister und den Stadtrat einen offenen Brief
„Missachtung des Bürgerbegehrens"

Unterzeichner fordern: Wärmeres Wasser und sechs Schwimmbahnen im Freibad Brodhausen
  Freilassing (rgz). Eine „Missachtung der Intention des Bürgerbegehrens" werfen in einem offenen Brief 150 Freilassinger Bürger dem Bürgermeister und dem Stadtrat vor. Und fordern nachdrücklich, dass die Anliegen des erfolgreichen Begehrens in der weiteren Planung zur Sanierung des Freibades in Brodhausen berücksichtigt werden.

Trotzdem würde sich die Stadt immer noch circa 22.000 Euro an Heizkosten gegenüber den jetzigen Verbrauchskosten sparen, führt der Brief weiter aus und zieht folgende Schlussfolgerung: „Warme Wassertemperaturen sind das Herzstück des Bürgerbegehrens gewesen. Mit den immerhin 22.000 Euro Ersparnis gegenüber den jetzigen Verbrauchskosten, ist es nicht unmäßig, rund 9.000 Euro für die Aufrechterhaltung der bisherigen Temperaturen zu wünschen."

Ein weiteres „Herzstück" ist für die Verfasser des offenen Briefes die Größe des Sportbeckens. Nötig seien auf alle Fälle 50-Meter-Bahnen. Eine Reduzierung des Bades von acht auf fünf Bahnen würde bedeuten, dass die anderen Badegäste während des Trainings der Vereine im Schwimmerbecken auf vier oder sogar drei Bahnen eingeschränkt würden. „Konflikte sind vorprogrammiert, weil das Becken dann zu klein wird", befürchten die Verfasser und kritisieren: „Vor der Ausführung der Planung durch das Architekturbüro Romstätter gab es keine Bedarfsanalyse, die die tatsächlichen Erfordernisse erkundet hätte. Ein Becken mit fünf Bahnen wird nicht ausreichen."

„Sechs Bahnen!"

Die Empfehlung der Verfasser lautet deshalb: Sechs Bahnen! Mit sechs Bahnen würde das Becken seine Funktionalität als Schwimmerbecken behalten, wo gleichzeitig Schwimmtraining stattfinden könne. Mit fünf Bahnen würde das Sportbecken diese Funktion verlieren. Und weiter: „Bedenken Sie, wir hatten bisher acht Bahnen!"
Eine sechste Bahn würde laut Planer 110.000 Euro mehr kosten. Dieser Betrag würde sich, auf die Lebenszeit von Edelstahl (30 bis 50 Jahre) hochgerechnet, auf eine geringe Summe reduzieren. Auf der anderen Seite würde eine erhöhte Funktionalität des Freibades mit einem Sportbecken stehen, das seinen Namen verdiente. Da der Umbau des Freibades erst im September 2008 begonnen wird, sollte eine Erweiterung auf sechs Bahnen in der Planung noch möglich sein.

Erforderlich wäre nach Meinung der Briefschreiber ein langfristiges Denken. So könnten Teile der Attraktionen im Kleinkinderbereich auch nachträglich erweitert oder geändert werden. Eine weitere Bahn später anzubauen, sei jedoch fast unmöglich. „Deshalb muss jetzt gehandelt und die Intention des Bürgerbegehrens, das die Kraft eines Stadtratsbeschlusses hat, umgesetzt werden!"


Wärmeres Wasser und sechs Bahnen

Wärmeres Wasser und sechs Schwimmbahnen - dann wäre die Freilassinger Schwimmbadwelt wieder in Ordnung, meinen die Verfasser des Briefes. Sie fassen ihre Argumente wie folgt zusammen:
„Wir denken, dass mit diesen Argumenten eine Beibehaltung der Temperaturen von 24 und 26 Grad und eine Reduzierung auf mindestens sechs Bahnen möglich ist. Denn dann stimmt wieder Vieles überein: Ein wichtiger Teil unserer Badegäste, unser Klientel ist zufrieden, die bisherige Werbung eines beheizten Freibades stimmt, die zukünftig relativ geringen Heizkosten machen es ökonomisch möglich, dass Freilassing kein Kalt-Bad wird, sondern die üblichen Temperaturen von beheizten Freibädern wie in Ainring und Salzburg hat. Und die Schwimmvereine können wieder trainieren. Dies alles definiert die jetzige Funktionalität und Ausdehnung unseres Freibades. Dies war Ausgangspunkt der Sanierung unseres Freibades für Familien, Kinder, Eltern und Großeltern (Zitat von Bürgermeister Flatscher vom 11. Februar 2008)."

 

Initiiert wurde der offene Brief von den Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Freibad. Unterzeichnet haben ihn „viele Schwimmerinnen und Schwimmer und Badegäste", wie es im Schreiben heißt. Man sei „sehr besorgt darüber, wie sich die Beschlussfassung um die Sanierung des Freibades entwickelt hat." Durch das Schreiben sollten den Kommunalpolitikern die Punkte um die Hauptthemen „Wassertemperatur" und „Anzahl der Schwimmbahnen" in Erinnerung gerufen werden.

Der Bürgerarbeitskreis Freibad Freilassing, kurz „BaFF", sei gleich nach dem Bürgerbegehren gegründet worden. Nicht nur um Vorschläge für die Sanierung zu sammeln, sondern auch, „um den Geist des Bürgerbegehrens bis zur Vollendung des Sanierungsprojekts vor Missachtung und Fehlentwicklungen zu schützen". Und weiter: „Es ist uns jetzt klar geworden, dass es tatsächlich zu Missachtungen der Intention des Bürgerbegehrens gekommen ist," Denn im erfolgreichen Bürgerbegehren vom 29. April 2007 habe es geheißen: „Sind Sie dafür, dass unser bisheriges Freibad erneuert wird und nicht durch ein Naturbad (Kleinbadeteich) ersetzt wird?" Das Abstimmungsergebnis sei bindend und mit 81 Prozent „Ja"-Stimmen auch sehr eindeutig.

Interpretationshilfe für den Stadtrat

Im weiteren erläutert der offene Brief den im Bürgerentscheid überstimmten Kommunalpolitikern nochmals, wie diese die Textstelle „unser bisheriges Freibad" zu verstehen hätten: „Der Bürgerentscheid zur Sanierung des Freibades wurde dahingehend beschlossen, dass das jetzige konventionelle Bad nicht zum Naturbad umgebaut wird, sondern in seiner jetzigen Ausdehnung und Funktionalität saniert wird." Deshalb stelle sich nun die Frage, inwiefern die bisherigen garantierten Wassertemperaturen und die Anzahl der Bahnen im Sportbecken wichtige Bestandteile des jetzigen Freibades sind, und ob die vom Stadtrat beschlossenen Änderungen sich auf den Charakter des Bades auswirken.

Missachtet sehen die Unterzeichner ihr Anliegen, dass die bisherigen Wassertemperaturen beibehalten werden. So habe die Stadt der Lippe-Energie-Agentur zur Erstellung einer Kurz-studie 22 Grad für das Schwimmerbecken und 26 Grad im Nichtschwimmerbecken vorgegeben. Dabei führte doch der ehemalige Bademeister Willi Huber in einem Leserbrief Temperaturen von 24 Grad im Schwimmerbecken und 28 Grad im Nichtschwimmerbecken an. Das Bürgerbegehren wiederum sei von 24 Grad im Schwimmerbecken und 27 Grad im Nicht-schwimmerbecken ausgegangen. Das sei auch auf den Plakaten zu lesen gewesen.

Nachbarbäder: Überall ist das Wasser wärmer
Die Initiatoren des Schreibens haben die Temperaturen der benachbarten Freibäder abgefragt. So ist das Wasser in Ainring in beiden Becken 25 Grad warm, im Sportbecken mindestens 23 Grad. 24 Grad Wassertemperatur herrschen in den Freibädern Leopoldskron, an der Salzburger Alpenstraße und im Volksgartenbad, garantierte Mindest-temperatur ist dort 23 Grad. Und in 25 Grad warmem Wasser können die Badbesucher in Bergheim planschen. Dort beträgt die Mindesttemperatur ebenfalls 23 Grad.

Um einen Kompromiss zu finden, habe der BaFF in seiner Stellungnahme vom 3. März 24 Grad im Sport-becken und 26 Grad im Nicht-schwimmerbecken vorgeschlagen. Anzumerken sei an dieser Stelle, dass die Wassertemperatur im Nichtschwimmer-becken von 28 Grad im Freilassinger Freibad dazu führe, dass sich Familien dort besonders wohl fühlen. Das habe auch die Werbung der Stadt aufgegriffen. Dort heiße es: „Freibad Brodhausen: Das Freibad Brodhausen ist eine Badeoase für Eltern und Rinder, die beheizte Becken bevorzugen."

Deshalb gehen die Verfasser des Briefes davon aus, dass garantierte warme Wasser-temperaturen bisher ein wichtiger Vorteil für das Freibad gewesen seien. Mit wechselwarmen Wassertemperaturen und einer Mindesttemperatur von nur 22 Grad im Hauptbecken würde dieser Vorteil verloren gehen.

Die Briefeschreiber führen weiter aus, dass die „Stammschwimmer", das seien überwiegend ältere Menschen, eine höhere Wassertemperatur und frische Luft als wesentliche Voraussetzungen betrachten: „Sie werden ihre Saisonkarte woanders kaufen, falls die Wasser-temperaturen niedriger werden, als sie jetzt sind. Sie werden in ein anderes Freibad gehen, keineswegs ins Hallenbad."

Was den Besuch von Schulklassen betrifft, so würden diese ins Freibad kommen, weil sie Sportunterricht hätten. „Das Sportbecken war in den letzen Jahren schon kalt genug für sie. Sie haben sich immer nachher im Nichtschwimmerbecken aufwärmen müssen. Das Bild bibbernder Schulkinder mit blauen Lippen ist nicht das, was sich die Eltern unter Schulsport im beheizten, famlienfreundlichen Freibad Freilassing vorstellen. Wenn keine warmen Stütztemperaturen garantiert sind, dann ist zu befürchten, dass sie in Zukunft gleich woanders schwimmen gehen müssen."

Und was die Abteilung Schwimmen im TSV Freilassing angehe: Kinder und Jugendliche dürften nicht trainieren, wenn das Wasser kälter als 24 Grad sei. Das seien keine „Komfortansprüche", sondern schlicht die Voraussetzungen des Schwimmsports, um Unterkühlung zu vermeiden. Der TSV habe deshalb in den vergangenen Jahren immer wieder um eine Wasser-temperatur von 24 Grad im Sportbecken gebeten. „Auf die Sanierung des Freibads haben sie sich gefreut und erwartet, dass das Schwimmerbecken wieder wie früher auf 24 Grad beheizt wird." Sollten die Freilassing Schwimmer nun etwa nach Ainring geschickt werden?, fragen die Verfasser.

Ihre Schlussfolgerung: „Die Vielfalt an Zwecken, die unser beheiztes kommunales Freibad für sein Klientel erfüllt, ist auch die Vielfalt seiner gesellschaftlichen Funktion: Gesundheit, Erholung und Sport.

Wenn das Freibad keine warmen Wasser-temperaturen garantieren kann, ist absehbar, dass unsere treuen Badegäste nach Ainring abwandern, wo das Wasser garantiert warm ist."

Geringe Mehrkosten

Temperaturen von 24 Grad im Sportbecken und 26 Grad im Nichtschwimmerbecken, beheizt mit Solarabsorber und einer mobilen Hackschnitzelheizung, würden nach einer Berechnung von Ingenieur Wach etwa 9.000 Euro mehr im Jahr kosten.

   

____
zurueck
Umwelt-Webdesign-21, Nachrichten aus Agenda21 Umwelt Natur Energie Solar und Klima
Web: http://www.umwelt-webdesign.info  | eMail  | Impressum  | designed by Primaweb  | ©1994-2009  | 2009/01/13