Südostbayerische Rundschau vom 24. September 2008
Stadträte fühlen sich „aufs Eis geführt"
Kosten für die Sanierung des Freibades Brodhausen steigen auf 5,26 Millionen Euro

Planer Hans Romstätter hoffte auf die „Spendierhosen" der Stadt - und behielt Recht
  Freilassing (rgz). Die Freilassinger Stadträte fühlen sich von den Planem der Freibadsanierung „aufs Eis geführt". Mit diesen Worten beschrieb CSU-Sprecher Klaus Lastovka am Montagabend sein Befinden: Die Kosten für die Sanierung des Freibades sind seit März von 4,7 auf nunmehr 5,26 Millionen Euro gestiegen. Viele Stadträte machten ihrem Ärger laut Luft - und stimmten dann der Kostenmehrung zu.

„Wir müssen weiter denken", forderte FWG-Stadtrat Fritz Braun seine Kollegen auf. Schon einmal habe der Stadtrat einen Vertrag gekündigt, nämlich den zur Planung des Naturbades. Und jetzt sollten schon wieder Planer ausgezahlt werden? Wenn der Stadtrat die Planung stoppe, werde dies zu einer mindestens zweijährigen Verzögerung führen. So lange werde man das marode Bad aber nicht weiterbetreiben können. Man müsste es schließen. Die Planung sei „toll und modern und wir bekommen ja was für die Mehrkosten". -

„Die Frage ist: Wollen wir ein Bad oder wollen wir keins", fügte Stadtrat Helmut Furle an, wenn ja, dann auch eins, das teurer wird, mit den geplanten Attraktionen.

Hans Romstätter habe die Kalkulation wohl einfach von irgend einem anderen Bad übernommen, dafür werde er jetzt zu Recht geschimpft, sagte Stadtrat Ludwig Unterreiner und fügte der Kritik seiner Kollegen einige sehr starke Bemerkungen hinzu. Trotzdem sei er der Meinung, die Stadt könne sich „ein g'scheits Bad" leisten, deshalb werde er den Mehrkosten zustimmen. - „Wir stocken 550.000 Euro auf und haben trotzdem nur fünf Bahnen", bedauerte Stadtrat Gottfried Schacher-bauer.

"Mit Herzblut"

„Wir planen das mit Herzblut", beteuerte Hans Romstätter, bei den Kosten sei man halt auf den Markt angewiesen. „Wenn Sie heute ja sagen, können wir noch diese Woche zu bauen beginnen." - Und Planer Wach fügte an: „Sie wissen jetzt schon, dass wir zwölf Prozent daneben liegen. Schlimmer wär's, wenn wir's Ihnen nächstes Jahr im Juni bei der Abrechnung sagen würden."

Mit 15 gegen acht Stimmen billigte der Stadtrat die Kostenmehrung und hielt an den im März bestellten Attraktionen für das Freibad fest. Hans Romstätter beteuerte, dass das Projekt bereits zu 80 Prozent ausgeschrieben sei und sich deshalb die Kosten nicht mehr wesentlich ändern würden. Nach wie vor liege man im Zeitplan. - Nun können die Bagger anrollen.

 
 

Schön reden lässt sich die Teuerung nicht. Auch wenn die offizielle Sprachregelung nun nicht mehr von der Sanierung des Freibades, sondern von dessen kompletten Neubau spricht - Hans Romstätter nannte es gar einen „Prototyp", den man da für Freilassing plane, und äußerte die Hoffnung, dass „der Stadtrat auch diesmal die Spendierhosen anhat." - Die Stadträte schimpften ausgiebig über die „schlechten Planer", auch von einem „Vertrauensverlust" war da die Rede, zogen aber dann doch, ganz wie von Romstätter gewünscht, ihre Spendierhosen an: Das Bad wird ganz so — nur um 556.000 Euro teurer.

Hans Romstätter versuchte gar nicht erst, den Räten zu erläutern, aus welchen Gründen die Kosten dermaßen in die Höhe schießen, sondern führte einfach nur an, welche Attraktionen man streichen müsste, um wieder auf den Kostenrahmen von 4,7 Millionen Euro zu kommen. Wobei eins sehr deutlich wurde: Dass die abgespeckte Version mit dem vom Stadtrat gewünschten Familienbad nicht viel gemein gehabt hätte.

„Grobe Schätzungen"

Wenn der Stadtrat das bestellte attraktive Bad nach wie vor wolle, dann müsse er dafür 556.000 Euro mehr ausgeben, erläuterte Romstätter und entschuldigte sich für ein „Kommunikationsproblem": Er habe es leider im März versäumt, dem Stadtrat klar zu machen, dass die angegebenen Kosten nur grobe Schätzungen seien.

„Ich für meine Person stehe für ein gutes ordentliches Bad ein", eröffnete Bürgermeister Josef Fiatscher die Debatte. - „Wir fühlen uns aufs Eis geführt", sagte hingegen CSU-Sprecher Klaus Lastovka und kritisierte die Art und Wiese, wie Romstätter sich verteidigt hatte: Der Planer habe im März sehr wohl gewusst, dass 4,7 Millionen Euro die Obergrenze seien. Und habe beteuert, mit dieser Summe auszukommen. - Andernfalls hätte der Stadtrat dem Vorentwurf niemals zugestimmt.

Grünberg: Fehlplanung

SPD-Sprecher Frank Grünberg warf Romstätter eine „völlig falsche Vorplanung" vor. Vier Millionen Euro habe dieser für die Sanierung des Bades veranschlagt. Auf dieser Basis habe der Stadtrat sodann für weitere 700.000 Euro Attraktionen bestellt. Nicht diese Attraktionen machten nun die Kostenmehrung aus, vielmehr seien die angegebenen vier Millionen völlig daneben gewesen. Bei der Wassertechnik wichen die nun genannten Zahlen um rund 50 Prozent von den ursprünglichen ab: Diese Abweichung sei so groß, dass die Stadt sogar eine Klage in Erwägung ziehen könnte. „Wir segnen hier letzt-endlich eine Fehlplanung ab."

„Es ist schon sehr bedenklich, wie wir da vorgeführt wurden", sagte 3. Bürgermeister Michael Hangl. Selbst wenn es sich um Schätzkosten gehandelt habe, seien diese von den Planern doch sehr detailliert angegeben worden. Jetzt frage er sich, warum die Planer noch vor der Ausschreibung von den höheren Kosten gewusst hätten.

„Vertrauen weg"

„Die Bürger fragen sich, ob wir im Rat überhaupt noch ernst zu nehmen sind", sagte Grünen-Stadtrat Bernhard Schmähl. Der Planer habe „vergessen" dem Stadtrat mitzuteilen, dass das Bad auch teurer werden könnte. „Für mich ist an diesem Punkt das Vertrauen in die Planung hinweg." Ein Ende mit Schrecken sei besser als ein Schrecken ohne Ende. Denn das Ende der Fahnenstange sei mit dieser Kostenmehrung nicht erreicht. - „Für mich ist das ganze Projekt obsolet", sagte Grünen-Stadträtin Elisabeth Hagenauer. Denn die von Romstätter angeführte Streichliste zu akzeptieren, würde bedeuten, dass das Bad schlechter würde, als es zur Zeit ist.

 

Enorme Kostenmehrung

  • Freilassing. Ursprünglich hatte der Stadtrat 3,3 Millio-nen Euro für den Bau eines Naturbades vorgesehen. Ein solches lehnten die Freilassinger in einem Bürgerentscheid ab.
  • Dem Auftrag der Bürger folgend, plant der Stadtrat seither den Bau eines attraktiven modernen Familienbades. Die ursprünglich vorgesehene Summe wurde in einem ersten Schritt von 3,3 Millionen auf vier Millionen Euro erhöht.
  • Schnell wurde klar, dass auch diese Summe nicht reichen würde. Im März legte der Rat deshalb die neue Ober-grenze für die anstehende Investition mit 4,7 Millionen Euro fest. Damals beteuerten die Planer wiederholt, sie würden mit diesem Geld auskommen. -
  • Am Montagabend billigte der Stadtrat zusätzliche 556.000 Euro.
  • Die Kosten für das Bad belaufen sich mittlerweile auf 5,26 Millionen Euro.

zurueck
Umwelt-Webdesign-21, Nachrichten aus Agenda21 Umwelt Natur Energie Photovoltaik Solarstrom und Klima
Web: www.umwelt-webdesign.info  | eMail  | Impressum  | designed by Primaweb  | ©1994-2015 | Datum: 27.03.2015