Wochenblatt vom 12. März 2008
Jetzt gibt's doch ein Luxus- Freibad für die Freilassinger
5 Schwimmbahnen, Breitrutsche und Kleinkinderbereich -Mehrkosten und Streit um Temperatur
    SPD-Stadtrat Frank Grünberg (l.) und sein Parteikollege Michael Hangl (r.) sind von den Mehrkosten nicht überrascht. Mit rund 365.000 Euro zusätzlich wird der Kleinkinderbereich nun aufgepeppt. Fotos: Hudelist  
 

Der Dauerbrenner Freibad hat ein vorläufiges Ende gefunden, zumindest was die Frage betrifft, welche Attraktionen sich die Stadt für das sanierte Bad in Brodhausen leisten will. Einstimmig waren die Stadträte dafür, dass der Kleinkinder-bereich mehr Attraktionen erhält, Mehrkosten dafür rund 365.000 Euro. Grünes Licht gab's auch für eine Breitrutsche um 132.000 Euro.

Der Streit um die Größe des Schwimmerbeckens wurde ebenfalls beigelegt. Der Vorschlag des Finanzausschusses auf sechs Bahnen statt der geplanten vier Bahnen wurde zwar knapp mit 11:10 Stimmen abgelehnt, ein neuer Antrag auf fünf Bahnen mit jeweils 50 Metern Länge fand dann eine Mehrheit. Für die eine Schwimmbahn mehr legt die Stadt 110.000 Euro zusätzlich auf den Tisch.

Das Freibad-Wunschkonzert kostet die Stadt nun locker 4,7 Millionen Euro statt der ursprünglichen vereinbarten vier Millionen Euro. Weiter gestritten wird dafür bei der Wassertemperatur. Dem Bürgerarbeitskreis Freibad (BaFF) sind 22 Grad im Schwimmerbereich zu wenig, nach Monaten der Diskussion um die Wassertemperatur fragte endlich ein Stadtrat, wie viel Grad das Freibad denn eigentlich bisher im Sommer hatte. Ratlosigkeit im Gremium, dann die überraschende Antwort von Betriebsleiter Johann Standl. „22 Grad im Schwimmerbecken und 25 Grad im Nichtschwimmerbecken."

„Sollten hier nicht ein paar Euro anschauen!"

Vor dieser Auskunft hatte zum Beispiel FWG-Stadtrat Stadtrat Ludwig Unterreiner (FWG) noch gewarnt, dass bei 22 Grad nicht mehr so viele Besucher kommen würden. „Wir sollten hier nicht ein paar Euro anschauen, es gibt genug andere städtische Gebäude, wo man Energie sparen kann."

Heinrich Auerbach (SPD) hatte behauptet, „22 Grad sind zum Schwimmen einfach zu kalt", außerdem wollte er berechnet haben, dass acht mal 25-Meter Bahnen weniger Energie brauchen als vier mal 50-Meter Bahnen, was der Planer allerdings verneinte.

Die Planer Hans Romstätter und Johann Franz Wach wiesen mehrmals darauf hin, dass bei warmem Sommerwetter das Wasser mit Sonnenabsorbern sehr schnell 24 Grad und mehr erreicht. Außerdem würden die Sonnenabsorber so gesteuert, dass zuerst das Kinder-Plansch-becken, dann der Nichtschwimmer-bereich und dann erst das Schwimmerbecken beheizt werden.

„Nach zwei Sonnentagen ist dann auch das Schwimmerbecken warm", so Wach. Die Frage, wie das Freibad beheizt wird, ist erst einmal aufgeschoben. Vorgesehen sind bisher nur Solarabsorber, eine Art Sonnen-kollektor, wie sie auf Dächern zu finden sind. Über eine Zusatz-heizung wollen die Stadträte zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Beim ursprünglich geplanten Naturbad waren 3,3 Millionen Euro vorgesehen, für die vom Bürgerentscheid erzwungene Sanierung des bestehenden Freibades erhöhten die Stadträte auf einen Höchstbetrag von vier Millionen Euro. Den empfanden viele aber jetzt nicht mehr als wirklich bindend.

SPD-Stadtrat Michael HangI betonte mehrmals, er möchte „jetzt was gescheites haben und da müssen wir eben mehr Geld in die Hand nehmen".

„Plötzlich so locker mit dem Geldausgeben!"

Auch CSU-Fraktionssprecher Dieter Moosleitner meinte, der Wunsch nach mehr Attraktionen und mehr Schwimmbahnen sei finanzierbar und vertretbar, obwohl er sich bisher immer strikt dagegen ausgesprochen hatte. Einzig die grüne Stadträtin Elisabeth Hagenauer beklagte sich darüber, „wie locker wir auf einmal mit dem Geldausgeben sind".
Noch verwunderter war sie über die Aussage von Michael Hangl, dass „es jetzt keinen Sinn macht, zu sparen". Ungewohnte Zustimmung erhielt Ha-genauer von CSU-Stadtrat Klaus Lastovka. „Wir haben uns auf vier Millionen geeinigt und nicht darauf, dass es wahrscheinlich eh viel teurer wird. Mir kommt auch vor, dass da heute 100.000 Euro und mehr schon sehr locker über den Tresen gehen." Lastovka gelang es noch einmal festzuhalten, dass das Freibad auch bisher eine Wassertemperatur von 22 Grad hatte, „und da hat sich auch niemand beschwert".
Elke Michel-Blagrave schüttelte während der Diskussion immer wieder den Kopf und versuchte noch während der Sitzung, Fragen an das Plenum zu richten. Auch Hermann Schubotz als Sprecher des „Bürgerarbeitskreises Freibad Freilassing" zeigte sich nach der Entscheidung enttäuscht. „Man hat sich mit keiner unserer Ideen beschäftigt, auch auf sechs Bahnen hätte man sich verständigen können."

Der Bürgerarbeitskreis will seine Arbeit aber trotzdem fortsetzen und mit den Architekten Details besprechen und die Sanierung begleiten. Wolfgang Wagner als neuer Vorsitzender des Agenda-Arbeitskreises Energie zeigte sich unterdessen zufrieden. „Der Beschluss ist richtig und weist in die Zukunft." Er findet seine Empfehlungen in den Mehrheitsbeschlüssen wieder.
Das Schwimmerbecken bekommt fünf Bahnen. Der in dieser Zeichnung vorhandene Sprungbereich wurde abgelehnt.
 

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