Südostbayerische Rundschau vom 22. September 2010
Hirschbrunft mitten im Winter
Seltenes Phänomen in Ainring, Kleine Satire zum Wahlkampf, in der hohen Zeit des Faschings 2002
 
Seltenes Phänomen in Ainring – Hirschbrunft mitten im Winter
(Kleine Satire zum Wahlkampf, in der hohen Zeit des Faschings 2002)

Die alljährliche Hirschbrunft, die gewöhnlich in den letzten September- und ersten Oktobertagen stattfindet, ist ein Naturerlebnis. Vor allem in den Bergwäldern des inneren Landkreis BGL, aber auch bis in die Staufengegend und dem Teisenberg, tragen die stärksten Rothirsche ihre Entscheidungs-kämpfe aus. Es wird mit viel Aggression und Kraft um die paarungsbereiten Hirschkühe gekämpft und nur die stärksten, gesündesten geben ihr Erbgut weiter.

In den Wäldern am Högl gibt es kein Rotwild, aber laut und dumpf röhrend tönt es über Berg und Tal, dieser Tage in der Gemeinde Ainring. Tag für Tag kann man die dröhnenden Brunftrufe der (wahl-)kämpfenden Hirsche vernehmen.

Da wurde wiederholt beobachtet, daß der entthronte, alte Platzhirsch, der sich nicht damit abfinden kann, daß er einem jüngeren, stärkeren Platz machen mußte, durch aggressive Angriffe von hinten dem prächtigen Neuen die schönsten Zacken aus der Krone zu brechen versucht.

Leichter hat es da schon der Kronprinz des anderen großen Rudels. Er steht unangefochten auf seinem Platz und schaut vergnügt zu, wie der alte Spießbock, seit jeher weiser Lehrer und Berater seines Rudels (er hat sogar ein wenig studiert!) seine gefährlichen Waffen wutschnaubend gegen die Leittiere der anderen Herden einsetzt. Da braucht der Kronprinz sich nicht selbst dem heldenmütigen Kampfe aussetzen. Und wie der alte Spießer kämpft, seine Losung im Nachbarrevier absetzt und seine herben Duftmarken über dem Rücken der Gegner versprüht. Der Kronprinz sieht es mit Vergnügen, merkt aber nicht, daß der erfahrene Spießbock schon längst die eigene Herde als sein Eigentum markiert hat. So lange der Junge, der die bewährte Politik seines Vorgängers weiter verfolgen will, brav auf die „Herdenpapas“ hört, wird ihm auch nicht viel passieren.

Die Leute stehen etwas betroffen da. Sie sahen doch die alten, hinterlistigen Kämpfer bisher nur friedlich nebeneinander grasen und jetzt schlagen und stoßen sie wild um sich, als ob es für sie auf Leben und Tod ginge. So ist das aber, während der Brunftzeit. Da haben manche keine Zeit mehr für Denkarbeit. Der was-auch-immer-Trieb beherrscht die Hirne, macht blind vor Wut und Ehrgeiz und läßt die friedlichen Zeiten auf der sattgrünen Wiese vergessen. Nur eines zählt: der Größte, Einflußreichste und Mächtigste zu sein.

Aber jede Bruftzeit hat auch einmal ein Ende. Dann wird man die erbitterten Feinde wieder friedlich zusammen grasen sehen, dann werden sie höchstens einmal ein wenig futterneidisch den einen oder anderen Seitenhieb anbringen. Die Brunft endet am 03.03. oder – wenn der König dann nicht gekürt ist - am 17. März. Dann haben auch die Ainringer wieder ihre Ruhe.

(Veröffentlicht im Freilassinger Anzeiger und in der Südostbayer. Rundschau zur Wahlkampf-zeit )

 
     

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