Freilassinger Anzeiger vom 8. April 2011
Lungauer wollen von Bürgersonnenkraftwerk lernen
Vertreter dreier Gemeinden aus Österreich inspizierten Ainringer Photovoltaik Anlagen
AINRING (schu) - Über das Bürgersonnenkraftwerk in Ainring informierten sich Vertreter dreier österreichischer Gemeinden aus dem Lungau. Organisiert hatte die Exkursion die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien Salzburg für solarinteressierte Gemeindevertreter aus dem Bundesland Salzburg. Hermann Schubotz und Wolfgang Hirner zeigten den Gästen die Ainringer Photovoltaik-Anlagen und erklärten ihnen, wie Bürger an der Nutzung von Sonnenenergie beteiligt werden können.

Zuerst besichtigten die Besucher aus dem Nachbarland die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Schultumhalle in Mitterfelden. Vorstandsmitglied Hermann Schubotz vom Bürgersonnenkraftwerk Ainring erklärte die Funktionsweise. An einer Anzeigetafel konnten die Gäste die aktuelle Leistung der Anlage ablesen. Diese schwankt während des Tages durch Wolken und Sonnenstand. Bei leicht bewölktem Himmel erreichte sie zwei Drittel der Maximalleistung. Außerdem werden die Tagesleistung, die insgesamt erzeugte Menge an Solarstrom und die eingesparten Kilogramm an CO2 angezeigt.
Danach nahmen die Gäste die Solarstrom-Module in Augenschein. Die Anlage ist für eine maximale Leistung von zehn Kilowattpeak (kWp) ausgelegt. Sie produzierte seit dem Jahr 2002 über 90.000 Kilowattstunden (kWh) umweltfreundlichen Stroms, wodurch der Bedarf von rund drei Haushalten pro Jahr gedeckt wird. Insgesamt betreut die Sonnenkraftgesellschaft in Ainring fünf Photovoltaik-Anlagen auf drei Dächern mit einer Gesamtleistung von 43 kWp.


Gäste aus dem Lungau besichtigen die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Sporthalle in Mitterfelden. Links Referent Hermann Schubotz und der Vizebürgermeister der Gemeinde Ramingstein im Lungau. Foto: Schubotz

Laut einem Solaratlas liefert die Sonne in Südostbayern fast den Höchstbetrag in Deutschland, und man kann mit einem Ertrag von 900 bis über 1.000 kWh Solarstrom pro installiertem kWp Photovoltaik rechnen, führte Schubotz weiter aus.

Die stabile Sonneneinstrahlung und der Verkauf des Solarstroms an den örtlichen Stromversorger zu einem festgelegten Preis sichere die finanzielle Lage der Bürgergesellschaft. Im Jahr 2001 wurde das Gesetz zum Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) erlassen. Dadurch seien die Bürgerkraftwerke vor allem in Bayern, wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Laut Schubotz haben im Landkreis Berchtesgadener Land die Mitglieder der Solargesellschaften in den Jahren 2001 bis 2006 für 1,6 Millionen Euro Anlagen mit einer Leistung von über 310 kWp installiert. Dazu kämen die von den Bürgerkraftwerken motivierten und angeregten privaten Solardächer. Die aktuelle Diskussion um die Laufzeiten der Atomkraftwerke gebe eine weitere Gelegenheit für Bürger, in Solarstrom-Anlagen oder andere Formen der erneuerbaren Energien zu investieren.
Zum Ende seines Vortrags merkte Schubotz an, dass Österreich sich dadurch auszeichne, kein eigenes Atomkraftwerk zu besitzen, jedoch von Ländern mit zum Teil sehr alten Atomkraftwerken „umzingelt" sei. Dadurch sei das Nachbarland neben den bestehenden Wasserkraftwerken zum weiteren Einsatz von erneuerbaren Energien prädestiniert.

Anschließend stellte Wolfgang Hirner Möglichkeiten der Organisation von Bürgerbeteiligungsgesellschaften vor. Die Schwerpunkte liegen dabei auf dem Anmieten von Dächern und der Finanzierung durch die Bürger. Mit einem gemütlichen Beisammensein klang für die Besucher aus dem Salzburger Land der Ausflug nach Hinring aus.

Die Anlage auf dem Dach des Lagerhauses in Hammerau erläuterte Wolfgang Hirner von der Energiegenossenschaft Berchtesgadener Land der VolksbankRaiffeisenbank. Diese 30 kWp-Anlage wurde im vergangenen Jahr errichtet. Zu sehen waren die vier koffergroßen Wechselrichter, die den solaren Gleichstrom in Haushaltswechselstrom umwandeln und in das öffentliche Netz einspeisen.

Die letzte Station war die 15 kWp Anlage des Bürgersonnenkraftwerks in Feldkirchen auf dem Dach der Grundschule. Diese speist seit 2005 Strom ins Verbundnetz ein. Außerdem gibt es in Feldkirchen eine 30 kWp-Anlage auf einer Scheune und eine 13 kWp große Anlage auf einem Privathaus.

Hermann Schubotz hielt nach der Besichtigung der Anlagen einen Vortrag über das Entstehen und Wirken
einer Bürgerbeteiligungsgesellschaft zur Erzeugung solaren Stroms. Zum Erfolg des Projekts gehören die Menschen, die die Notwendigkeit des Umbaus der Energieversorgung auf erneuerbare Energien verstanden haben und bereit waren, dafür ihr Geld einzusetzen. Dies sei in Ainring hervorragend gelungen. Es kamen Personen aus allen Bevölkerungsschichten und aus allen Parteien zusammen, sodass 17 Mitglieder die Gesellschaft gründeten und sich weitere 60 Förderer an dem Projekt beteiligten. Der weitere Finanzbedarf wurde über ein Darlehen gedeckt, so Schubotz.

Ein lokales Elektro- und Solartechnik Unternehmen lieferte und installierte die Anlagen.

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