Titroler Tageszeitung vom 24. Februar 2011
Am Holzgewinnungssektor spielt sich viel zu wenig ab“
Biomasseheizwerke stehen hoch im Kurs. Allein – den Werken geht das Holz aus. Eine landesweite Biomasse-Strategie wäre deshalb wünschenswert.
  Am Holzgewinnungssektor spielt sich viel zu wenig ab“ Biomasseheizwerke stehen hoch im Kurs. Allein – den Werken geht das Holz aus. Eine landesweite Biomasse-Strategie wäre deshalb wünschenswert.

Die Tiwag lässt sich das Material für ihre Biomasseheizwerke vom Maschinenring besorgen. Weil Holz offensichtlich Mangelware ist, werden auch größere Umwege in Kauf genommen.Foto: Schnegg
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Von Renate Schnegg
Längenfeld – Das Fernheizwerk in Längenfeld wird mit Holz aus den Innauen bei Stams und Rietz beliefert. Sehr zum Ärger des Stamser Bürgermeisters Franz Gallop, der dieses „Holz vor der Tür“ gerne im Stamser Biomasseheizwerk verfeuert hätte, wo ebenfalls Leere herrscht (die TT berichtete). Gallop beschwerte sich zudem, dass die Tiwag als Preistreiber fungiere, weil sie zu überhöhten Preisen einkaufe und der ökologische Grundgedanke durch verlängerte Transportwege in Frage gestellt werde.
Hermann Unsinn, bei der Tiwag für die Biomassewerke in Längenfeld, Lienz und Kufstein zuständig, streut Gallop vorab Rosen: „Der Franz ist ein Biomasse-Pionier. Und ich kann seine Kritik verstehen.“ Unsinn schätzt, dass das Werk in Stams rund 20.000 Schütt-raummeter pro Jahr braucht, „wir in den drei Tiwag-Anlagen hingegen rund 500.000. Dafür produzieren wir im Jahr 160 Millionen Kilowattstunden.“ Man spreche also von ganz anderen Dimensionen.
Außerdem gehöre die Beschaffung von Brennholz nicht zu den Kernkompetenzen der Tiwag, „weshalb wir den Maschinenring damit beauftragten. Dass es ausgerechnet Holz aus Stams ist, das in Längenfeld verheizt wird, dafür können wir nichts. Wir wissen ja nicht konkret, wo die Projekte laufen“, fügt Unsinn an. Auf die Frage, wieso die Tiwag 27 Euro pro Schüttraummeter statt der ortsüblichen 20 Euro bezahle, meint Unsinn, „dass 20 Euro für Weichholz, sprich, Fichte, üblich sind. Aus der Innau kommt aber Hartholz, das kostet rund 30 Prozent mehr, weil es einen höheren Heizwert hat.“
Gallops Vorschlag einer landesweit koordinierten Biomasse-Strategie könne er, Unsinn, nur begrüßen, „denn am Sektor der Holzgewinnung spielt sich derzeit viel zu wenig ab. Jedes Jahr kommen Biomasseheizwerke hinzu und wir haben echt Probleme, die Holzmengen zu beschaffen.“ So läuft es derzeit auch in Längenfeld: Dort braucht man pro Jahr rund 75.000 Schüttraummeter. Beim Bau der Anlage wurde sogar eine Hackgutgenossenschaft gegründet, die Material ans Heizwerk liefern soll.
Was sie auch tut, aber offensichtlich zu wenig: „Wir würden der Genossenschaft jährlich rund 20.000 Festmeter abnehmen, sie liefert aber nur ein paar hundert. Deshalb müssen wir ins Inntal hinausgehen“, erklärt Unsinn den Umweg.
Man liefere, was möglich ist, „mehr geht einfach nicht“, sagt der Obmann der Hackgutgenossenschaft, Robert Klotz. Früher hätten wesentlich mehr Agrargemeinschaften aus dem gesamten Ötztal nach Längenfeld geliefert, „jetzt ist quasi nur noch Längenfeld übrig.“ Der Holzeinschlag im Gemeindegebiet wäre zwar theoretisch groß genug, „allerdings brauchen die Leute das Holz selber.“ Man liefere deshalb, was übrig- bleibe.
Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 24.02.2011
 
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